Anton Corvinus

Anton Corvinus und die Einführung der Reformation in Münden

Die Einführung des evangelischen Glaubens in Münden und im ganzen welfischen Fürstentum Calenberg-Göttingen im Jahre 1540 war ein fürstlicher Verwaltungsakt. Herzogin Elisabeth fühlte sich als überzeugte Anhängerin Luthers für das Seelenheil ihrer Untertanen verantwortlich. Die Bevölkerung war an dieser einschneidenden Maßnahme nicht aktiv beteiligt. Dass die neue Lehre jedoch nach wenigen Jahren fest in Stadt und Land verankert war, ist weitgehend das Verdienst von Anton Corvinus, den die Herzogin mit der Durchführung der Reformation beauftragte.

k-Corvinus

Anton Rabe wurde am 27.2.1501 in Warburg im Bistum Paderborn geboren. 1519 trat er als Novize in das Zisterzienserkloster Loccum (bei Wunstorf) ein. Er erwarb sich eine umfassende humanistische Bildung, teils im Kloster Riddagshausen (bei Braunschweig), teils auf der Universität in Leipzig. Seinen Namen lateinisierte er und nannte sich Antonius Corvinus. Bald nach seiner Rückkehr nach Riddgashausen warf ihn der Abt des Klosters als „lutherischen Buben“ hinaus. Seitdem war er evangelischer Prediger.

Von 1529-1542 amtierte er als Stadtpfarrer im hessischen Witzenhausen an der Werra. Als Autodidakt bildete er sich gründlichst in der Theologie weiter und erwarb 1535 an der Universität Marburg den Magistergrad. Seine umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit machte ihn in weiten Kreisen bekannt. Da er eine besondere Begabung als Organisator besaß, erbat man seine Mithilfe bei der Neuordnung von Kirche und Gemeinde in verschiedenen Städten (Hildesheim, Northeim, Braunschweig) und Territorien (z.B. Lippe).

Auf Einladung der Herzogin Elisabeth predigte Corvinus 1538 zum ersten Mal in der St. Blasiuskirche in Münden. 1540 bat die Regentin Landgraf Philipp von Hessen um die „leihweise Überlassung“ des Antonius Corvinus. Er sollte im Fürstentum Calenberg-Göttingen die Einführung des evangelischen Glaubens organisieren. 1542 ernannte sie ihn zum Landessuperintendenten, dem höchsten Geistlichen des Fürstentums. In Münden verasste er die Calenbergische Kirchenordnung, in der die Grundpositionen des evangelischen Glaubens dargestellt und Richtlinien für Amts- und Lebensführung der Pfarrer gegeben sind.

An der St.Blasiuskirche setzte er Caspar Coltemann als ersten evangelischen Geistlichen (1540-1576) ein.

Es gelang Corvinus in wenigen Jahren, den evangelischen Glauben in der Pfarrerschaft und in der Bevölkerung zu verankern, so dass die Rekatholi-sierungsversuche Herzog Erichs II. (1546-1584) erfolglos blieben, obgleich er viele Geistliche des Landes verwies und Corvinus von 1549-1552 auf dem Calenberg gefangen hielt. Als Corvinus freikam, war er ein totkranker Mann. Nach nur wenigen Monaten als Pfarrer starb er am 5.4.1553 in Hannover und wurde in der Marktkirche begraben.

Die bleibende Bedeutung des Anton Corvinus begründete sich einerseits in seiner Fähigkeit, die Einführung des evangelischen Glaubens gut zu organisieren und andererseits in seiner seelsorgerlichen Betreuung sowohl der meist ungebildeten und armen ersten Pfarrergeneration als auch der Laien, für die er Lieder, Gebete und Schriften verfasste, um sie zu selbständigen Christen zu erziehen.

In Münden erinnert der Name des Gemeindehauses der Stadtkirchengemeinde und eine Gedenktafel in der St. Blasiuskirche an Anton Corvinus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.